Mein Smart Home im Detail: Home Assistant, Automationen und Claude als Assistent

Home Assistant ist bei mir mittlerweile die Schaltzentrale für fast alles im Haus – von der Beleuchtung über die Heizung bis zur Gartenbewässerung. In diesem Beitrag zeige ich, wie das Ganze technisch aufgebaut ist, welche Automationen im Alltag wirklich etwas bringen, welche Geräte und Dienste eingebunden sind – und wie ich inzwischen sogar Claude als zusätzlichen Assistenten mit ins System eingebunden habe. Alle Beispiele stammen direkt aus meinem eigenen System. IP-Adressen, Zugangsdaten, genaue Gerätekennungen und andere sensible Details habe ich bewusst weggelassen.

Die Basis: ein lokaler Hub statt Cloud-Zwang

Home Assistant ist eine Open-Source-Plattform für Hausautomation, die bei mir lokal auf einer Home Assistant Green läuft – einem kleinen, dedizierten Gerät, das rund um die Uhr durchläuft. Der große Unterschied zu den meisten Hersteller-Apps: Steuerung und Automationen laufen im eigenen Netzwerk, ohne dass dafür zwingend Daten in eine Herstellercloud müssen.

Damit das funktioniert, bringt Home Assistant ein paar Grundbegriffe mit, die sich durch das ganze System ziehen:

  • Integrationen binden Geräte und Dienste an – von Zigbee-Lampen über die NAS bis zum Wetterdienst.
  • Entities sind die einzelnen Datenpunkte: eine Lampe, ein Temperatursensor, ein Schalter – jede bekommt eine eigene, eindeutige ID.
  • Areas ordnen diese Entities Räumen zu, zum Beispiel Wohnzimmer oder Keller.
  • Automationen sind simple Wenn-Dann-Regeln: Ein Auslöser (Trigger) prüft optional eine Bedingung und führt dann eine Aktion aus.
  • Dashboards (im Lovelace-Format) sind frei gestaltbare Oberflächen, auf denen man Entities gruppieren und steuern kann.

Das Rückgrat für die meisten Lampen, Steckdosen und Sensoren bei mir ist Zigbee, angebunden über Zigbee2MQTT und einen MQTT-Broker (Mosquitto). Das hat den Vorteil, dass die Geräte untereinander und mit Home Assistant direkt im lokalen Netz kommunizieren, statt über einen Hersteller-Server im Internet.

Raum für Raum: wie die Dashboards aufgebaut sind

Statt eines einzigen, überladenen Dashboards habe ich mir für jeden Bereich ein eigenes gebaut. Das hält die Oberfläche übersichtlich und macht es einfach, schnell den Zustand eines bestimmten Raums zu sehen.

Wohnzimmer

Mehrere einzeln schaltbare Zigbee-Lampen, dazu ein separates Treppenlicht für das Untergeschoss. Im Office-Bereich gibt es eine eigene Steckdose für den Arbeitsrechner sowie ein eigenes Licht. Fernseher und Gaming-TV lassen sich getrennt schalten. Ein Klimasensor zeigt Temperatur und Luftfeuchtigkeit als Rundinstrumente an (aktuell im Schnitt um die 22 °C bei rund 43 % Luftfeuchtigkeit), dazu kommt ein Heizungsthermostat mit Ist- und Soll-Temperatur samt direkten Regel-Buttons.

Schlafzimmer

Licht für das Schlafzimmer und separat für den Ankleideraum, dazu eine eigene „Handy laden“-Steckdose und ein Fernseher-Schalter. Auch hier gibt es einen Klimasensor sowie zwei eigene Heizkreise – einen fürs Schlafzimmer, einen für ein Bad im ersten Stock.

Keller

Eine Steckdosenübersicht für PC, Werkstatt, Luftentfeuchter und Waschmaschine. Eine Besonderheit ist die Server-Steckdose: Die lässt sich bewusst nicht über das Dashboard schalten, sondern zeigt nur grün (an) oder rot (aus) – so kann sie nicht versehentlich ausgeschaltet werden. Dazu kommen Klimasensoren für Keller und Kellerbad sowie mehrere Heizkreise für Büro und Werkstatt.

Garten

Eine Wetterkarte mit aktueller Temperatur und Vorhersage für die kommenden Tage, ein Bodenfeuchte-Sensor für eines der Beete sowie zwei Buttons: „Gießen starten“ löst die Bewässerungsautomation aus, „Gießen abbrechen“ kappt die Wasserzufuhr direkt und unabhängig von der Automation – ein simples, aber wichtiges manuelles Override.

Türen

Fünf Kontaktsensoren (Balkon, Küche, Terrasse, Keller, Heizungsraum) werden zu einem Sammelstatus „Alle Türen geschlossen“ zusammengefasst. Jede Tür wird farblich dargestellt – grün für geschlossen, rot für offen. Zusätzlich hat jede Tür einen eigenen Tamper-Sensor: Wird eine Tür manipuliert, fängt die entsprechende Karte im Dashboard an zu blinken.

Automationen, die im Alltag wirklich etwas bringen

Hörbücher per Sprachbefehl

Auf meiner Synology-NAS liegen dutzende Hörbuch-Ordner mit jeweils nummerierten Folgen als einzelne Dateien. Die Automation „Hörbücher“ läuft in vier Schritten ab:

  1. Ein Sprachbefehl wie „Spiele Die drei Fragezeichen Folge 14 ab“ wird über Assist erfasst.
  2. Ein Conversation-Trigger erkennt das Satzmuster und startet die Automation.
  3. Ein shell_command durchsucht den passenden Medienordner nach der Datei mit dem richtigen Nummern-Präfix.
  4. Der gewünschte Lautsprecher spielt die gefundene Folge über media_player ab.

Der Trick dabei ist simpel: Da alle Dateinamen aus einer dreistelligen Nummer plus Titeltext bestehen, muss die Automation nur nach dem Nummern-Präfix suchen, statt exakte Dateinamen zu kennen.

Türsensoren mit Manipulationserkennung

Wie oben beschrieben, zeigen die Türkarten Rot bei offen und Grün bei geschlossen. Sobald ein Tamper-Sensor auslöst, blinkt die betroffene Karte zusätzlich – das fällt im Dashboard sofort auf, ganz ohne dass man jede Tür einzeln kontrollieren müsste.

Gartenbewässerung

Die Bewässerung lässt sich sowohl automatisch (über den Feuchtesensor im Beet) als auch manuell per Button auslösen. Wichtig war mir vor allem die „Abbrechen“-Funktion als direkter Zugriff auf das Ventil, unabhängig davon, was die Automation gerade vorhat – falls es zum Beispiel doch anfängt zu regnen.

Kleine Automationen im Alltag

Daneben laufen noch etliche kleinere Automationen mit, die man kaum bemerkt, weil sie einfach funktionieren: automatisches Licht im Essbereich, Sprachbefehle für Musik- bzw. Radiowiedergabe über Music Assistant, oder eine simple Erinnerungs-Automation, sobald die Post geleert wurde. Gerade diese kleinen Helfer summieren sich im Alltag am meisten.

Integrationen: mehr als nur Lampen und Heizung

Ein großer Vorteil von Home Assistant ist, dass sich auch Dienste einbinden lassen, die auf den ersten Blick nichts mit klassischer Hausautomation zu tun haben:

  • Synology NAS: CPU-Auslastung, RAM, Systemtemperatur, Down-/Upload sowie alle Volumes und Laufwerke inklusive Temperatur, Belegung und Backup-Status direkt im Dashboard – statt separat im NAS-Webinterface nachzusehen.
  • NerdMiner: ein kleiner ESP32-basierter Bitcoin-Miner im Solo-Mining-Betrieb, dessen Live-Status und Pool-Statistiken (Hashrate, Shares, letzter gefundener Share) direkt eingebunden sind.
  • Pi-hole: der netzwerkweite Werbeblocker lässt sich direkt aus Home Assistant an- und ausschalten.
  • Zigbee2MQTT und Mosquitto: das unsichtbare Rückgrat, über das die meisten Zigbee-Geräte angebunden sind.
  • Music Assistant: Mehrraum-Audio-Steuerung für die verschiedenen Lautsprecher im Haus.
  • Health Score: Home Assistant bewertet den eigenen Systemzustand laufend in Prozent – ein kleiner, aber praktischer Indikator, ob im Hintergrund alles rundläuft.

Die KI-Ebene: Claude als zusätzlicher Assistent

Der vielleicht ungewöhnlichste Teil des Setups: Home Assistant bringt inzwischen einen eigenen MCP-Server mit. MCP (Model Context Protocol) ist ein offener Standard, über den KI-Assistenten kontrolliert auf Werkzeuge und Daten externer Systeme zugreifen können – statt nur mit reinem Text zu arbeiten. Ich habe Claude Desktop über diesen Weg (per mcp-proxy als Bridge) direkt mit meinem Home Assistant verbunden.

Konkret heißt das: Claude kann den aktuellen Zustand von Räumen und Geräten abfragen, beim Schreiben und Debuggen von Automationen helfen und configuration.yaml, automations.yaml sowie scripts.yaml prüfen und reparieren. Ich habe das bewusst so eingestellt, dass Claude dabei eigenständig arbeiten darf, ohne bei jeder Kleinigkeit nachzufragen – für Dinge wie Nutzerverwaltung oder Rolleneinstellungen gilt das ausdrücklich nicht, das bleibt allein bei mir.

Auch die technischen Eckdaten für diesen Beitrag – etwa die Live-Werte der Dashboards – habe ich über genau diese Anbindung abgefragt.

Als nächsten Schritt plane ich einen zweiten Sprachassistenten mit eigenem Aktivierungswort (zum Beispiel „Hey Jarvis“) für Wissensfragen, Rechenaufgaben oder aktuelle Informationen. Normale Befehle wie Licht oder Steckdosen sollen dabei weiterhin ausschließlich über den bisherigen lokalen Assistenten laufen – so bleibt die Standardsteuerung im Haus unabhängig von einer Internetverbindung.

Fazit

Was als einzelnes Dashboard fürs Wohnzimmer begann, ist mittlerweile ein System aus Dutzenden Entities, mehreren eigenständigen Projekten (NAS, NerdMiner, ESP32-Bastelprojekte) und jetzt auch einer KI-Anbindung. Der rote Faden dabei: alles läuft lokal, ist modular erweiterbar und lässt sich bei Bedarf jederzeit nachvollziehen und anpassen – ganz ohne Zwang zu einer bestimmten Herstellercloud. Wer selbst mit Home Assistant anfangen will: Man muss nicht sofort das ganze Haus vernetzen. Ein einzelner Raum mit ein paar Sensoren reicht als Einstieg völlig aus – der Rest wächst von allein.